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11.2 Beleihungsgrenze und Beleihungsauslauf

Kurz erklärt

Du lernst die 60-%-Beleihungsgrenze des Pfandbriefgesetzes und die Berechnung des Beleihungsauslaufs. Außerdem leitest du daraus das maximale Darlehen und den Eigenkapitalbedarf ab.

Wichtige Punkte

  • Beleihungsgrenze: erste 60 % des Beleihungswerts sind pfandbrieffähig (§ 14 PfandBG).
  • Finanzierungen über 60 % sind möglich, aber teurer.
  • Beleihungsauslauf = Darlehen inkl. Vorlasten / Beleihungswert × 100 %.
  • Zinsen werden häufig nach Auslaufstufen gestaffelt.
  • Maximales Darlehen = Beleihungswert × zulässiger Auslauf.
  • Eigenkapitalbedarf = Gesamtkosten − maximales Darlehen.

Lernziele

  • Du kannst die Beleihungsgrenze nach § 14 PfandBG erklären und berechnen.
  • Du kannst den Beleihungsauslauf einschließlich Vorlasten berechnen.
  • Du kannst aus Beleihungswert und Auslaufgrenze den Eigenkapitalbedarf ermitteln.

Die Beleihungsgrenze

Nach § 14 PfandBG dürfen Grundpfandrechte nur bis zur Höhe der ersten 60 % des Beleihungswerts zur Deckung von Pfandbriefen genutzt werden. Diese Beleihungsgrenze trennt den erstrangigen Realkredit vom risikoreicheren Teil der Finanzierung.

Wichtig: Die Grenze verbietet nicht, mehr als 60 % zu finanzieren. Sie bestimmt nur, welcher Teil eines Darlehens pfandbrieffähig ist. Viele Banken finanzieren selbstgenutzte Wohnimmobilien bis 80 %, 90 % oder sogar 100 % des Beleihungswerts – für den Teil oberhalb der Grenze verlangen sie aber höhere Zinsen. Diesen Teil nennt man in der Praxis oft nachrangigen Teil oder Blankoanteil.

Der Beleihungsauslauf

Der Beleihungsauslauf zeigt, wie stark ein Objekt belastet ist:

Beleihungsauslauf = Darlehen (einschließlich Vorlasten) / Beleihungswert × 100 %

Vorlasten sind vorrangige Belastungen, etwa eine bestehende Grundschuld für ein älteres Darlehen. Sie werden im Verwertungsfall zuerst bedient und gehören deshalb in die Rechnung.

Lösungsweg: Auslauf mit Abschlag vom Kaufpreis

Schritt Rechnung Ergebnis
1. Kaufpreis gegeben 450.000 €
2. Beleihungswert (90 % des Kaufpreises) 450.000 € × 90 % 405.000 €
3. Darlehen gegeben 324.000 €
4. Beleihungsauslauf 324.000 € / 405.000 € 80 %
Zum Vergleich: Auslauf zum Kaufpreis 324.000 € / 450.000 € 72 %

Der Unterschied zwischen 72 % und 80 % zeigt, warum du in der Prüfung genau lesen musst, auf welchen Wert sich eine Angabe bezieht.

Lösungsweg: Realkredit- und nachrangiger Teil

Schritt Rechnung Ergebnis
1. Beleihungswert gegeben 400.000 €
2. Beleihungsgrenze 60 % 400.000 € × 60 % 240.000 €
3. Darlehen gegeben 320.000 €
4. Teil oberhalb der Grenze 320.000 € − 240.000 € 80.000 €
5. Beleihungsauslauf 320.000 € / 400.000 € 80 %

Auslauf und Zinskonditionen

Banken staffeln ihre Zinsen häufig nach dem Beleihungsauslauf, zum Beispiel in Stufen bis 60 %, bis 80 %, bis 90 % und darüber. Je niedriger der Auslauf, desto geringer das Ausfallrisiko und desto günstiger der Zins. Schon wenige Tausend Euro mehr Eigenkapital können den Kunden in eine bessere Stufe bringen.

Eigenkapitalbedarf ermitteln

Aus Beleihungswert und maximalem Auslauf ergibt sich das maximal mögliche Darlehen. Der Rest der Gesamtkosten muss aus Eigenkapital kommen.

Schritt Rechnung Ergebnis
1. Gesamtkosten 500.000 € + 10 % Nebenkosten 550.000 €
2. Beleihungswert 500.000 € × 90 % 450.000 €
3. Max. Darlehen (80 % Auslauf) 450.000 € × 80 % 360.000 €
4. Eigenkapitalbedarf 550.000 € − 360.000 € 190.000 €

Prüfungsfallen

  • Beleihungsgrenze (60 % als Deckungsgrenze) und bankinterne Finanzierungsgrenze verwechseln.
  • Den Auslauf auf den Kaufpreis statt auf den Beleihungswert beziehen.
  • Vorlasten im Grundbuch vergessen.
  • Erwerbsnebenkosten beim Eigenkapitalbedarf übersehen.

Beratung: Auslauf aktiv steuern

Der Beleihungsauslauf ist eine Stellschraube, die du gemeinsam mit dem Kunden beeinflussen kannst. Mögliche Hebel sind zusätzliches Eigenkapital (z. B. Bausparguthaben, Wertpapiere, Schenkungen), Eigenleistungen bei Neubau oder Modernisierung, sofern die Bank sie anerkennt, oder zusätzliche Sicherheiten. Umgekehrt erhöht ein Disagio den Darlehensbetrag und damit den Auslauf. Rechne dem Kunden vor, ab welchem Betrag er die nächstgünstigere Auslaufstufe erreicht, und vergleiche den Zinsvorteil mit dem Nutzen einer Liquiditätsreserve. Eine Finanzierung „auf Kante“ ohne Rücklage ist trotz besserer Zinsstufe nicht immer die beste Lösung. Dokumentiere die Abwägung im Beratungsprotokoll.

Praxisbeispiel

Herr Lang möchte eine Wohnung für 450.000 € kaufen und 324.000 € finanzieren. Die Bank setzt 405.000 € Beleihungswert an, der Auslauf beträgt 80 %. Würde er 20.000 € mehr Eigenkapital einsetzen, sänke das Darlehen auf 304.000 € und der Auslauf auf rund 75 %. Je nach Zinsstaffel der Bank kann das bessere Konditionen bringen.

MerksatzAuslauf immer auf den Beleihungswert beziehen und Vorlasten mitrechnen.

Quellen & Rechtsgrundlagen

Stand: 10/2026 · Fehler entdeckt? Nutze „Fehler melden“ unten.

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