8.2 Tilgungsdarlehen und Festdarlehen
Kurz erklärt
Tilgungsdarlehen (konstante Tilgung, fallende Rate) und Festdarlehen (nur Zinsen, Rückzahlung am Ende) sind die Gegenpole zum Annuitätendarlehen. Du lernst, wie sie funktionieren, wem sie nutzen und welche Risiken der Tilgungsersatz beim Festdarlehen mit sich bringt.
Wichtige Punkte
- Tilgungsdarlehen: Tilgung konstant, Zinsanteil und Rate sinken.
- Tilgungsdarlehen hat die höchste Anfangsbelastung, aber die geringsten Gesamtzinsen der drei Grundformen.
- Festdarlehen: Schuld konstant, nur Zinszahlungen, Rückzahlung am Ende in einer Summe.
- Tilgungsersatz: Bausparvertrag, Lebens-/Rentenversicherung oder Fondssparplan.
- Festdarlehen haben die höchsten Gesamtzinsen; Vorteil für Kapitalanleger: konstant abzugsfähige Zinsen.
- Risiko Tilgungslücke, wenn der Tilgungsersatz weniger erbringt als geplant.
Lernziele
- Du kannst Raten eines Tilgungsdarlehens für einzelne Perioden berechnen.
- Du kannst das Festdarlehen und das Prinzip des Tilgungsersatzes erklären.
- Du kannst Vor- und Nachteile beider Formen gegenüber dem Annuitätendarlehen abwägen.
- Du kannst geeignete und ungeeignete Kunden zuordnen.
Definition
Beim Tilgungsdarlehen (Abzahlungs- oder Ratendarlehen) wird in jeder Periode der gleiche Betrag getilgt. Beim Festdarlehen (endfälliges Darlehen) wird während der Laufzeit gar nicht getilgt; der Kunde zahlt nur Zinsen und zahlt die Schuld am Laufzeitende in einer Summe zurück.
Funktionsweise
Tilgungsdarlehen
Die Tilgung ergibt sich aus Darlehen geteilt durch die Zahl der Perioden. Der Zins wird auf die jeweilige Restschuld berechnet. Weil die Restschuld gleichmäßig sinkt, sinken Zinsanteil und Gesamtrate jedes Jahr um denselben Betrag (Tilgung × Zinssatz).
Festdarlehen
Die Schuld bleibt konstant, also auch die Zinszahlung. Damit am Ende Geld zur Rückzahlung vorhanden ist, bespart der Kunde parallel einen Tilgungsersatz: einen Bausparvertrag, eine Lebens- oder Rentenversicherung oder einen Fondssparplan. Die Ansprüche daraus werden meist an die Bank abgetreten oder verpfändet.
Vergleich der drei Grundformen
| Merkmal | Annuitätendarlehen | Tilgungsdarlehen | Festdarlehen |
|---|---|---|---|
| Rate | konstant | fallend | konstant (nur Zins) |
| Tilgung | steigend | konstant | am Ende in einer Summe |
| Anfangsbelastung | mittel | hoch | niedrig |
| Gesamtzinsen | mittel | niedrig | hoch |
Kombimodell Festdarlehen und Bausparvertrag
Häufig wird ein Festdarlehen der Bank mit einem Bausparvertrag kombiniert. Der Kunde zahlt Zinsen für das Festdarlehen und spart parallel in den Bausparvertrag. Bei Zuteilung lösen Bausparguthaben und Bauspardarlehen das Festdarlehen ab. Vorteil ist eine lange Zinssicherheit über beide Phasen; Nachteil sind höhere Gesamtkosten durch Abschlussgebühr und niedrige Guthabenzinsen. Vergleiche das Modell deshalb immer mit einem Annuitätendarlehen mit langer Zinsbindung.
Vorteile
- Tilgungsdarlehen: schnelle Entschuldung, geringste Gesamtzinsen, sinkende Belastung im Zeitverlauf.
- Festdarlehen: niedrige laufende Rate (nur Zins), konstant hoher Schuldzinsabzug bei Vermietung, Kombination mit Zinssicherheit über einen Bausparvertrag möglich.
Nachteile
- Tilgungsdarlehen: höchste Anfangsbelastung; für junge Haushalte mit noch steigendem Einkommen oft zu schwer tragbar.
- Festdarlehen: höchste Gesamtzinsen, weil die Schuld nicht sinkt; Anlagerisiko des Tilgungsersatzes (Tilgungslücke); bei Zinsbindung kürzer als Laufzeit zusätzlich Zinsänderungsrisiko auf die volle Summe.
Geeignete und ungeeignete Kunden
Das Tilgungsdarlehen passt zu Kunden mit hoher aktueller Tragfähigkeit, deren Einkommen künftig eher sinkt, z. B. kurz vor dem Ruhestand, oder zu gewerblichen Kunden. Ungeeignet ist es für Haushalte, die heute knapp kalkulieren müssen.
Das Festdarlehen eignet sich für Kapitalanleger mit vermieteter Immobilie, die Schuldzinsen als Werbungskosten nutzen, und für Kombimodelle mit Bausparvertrag. Ungeeignet ist es für Selbstnutzer, die keinen verlässlichen Tilgungsersatz bedienen, und für Kunden, die schnell schuldenfrei sein wollen.
Beratungshinweis: Prüfe beim Festdarlehen, ob die Sparrate für den Tilgungsersatz dauerhaft in die Haushaltsrechnung passt. Die tatsächliche Belastung ist nicht nur der Zins, sondern Zins plus Sparrate. Erst diese Gesamtbelastung lässt sich fair mit der Rate eines Annuitätendarlehens vergleichen.
Rechenbeispiel
Tilgungsdarlehen: 240.000 €, Laufzeit 20 Jahre, 4 % Sollzins, jährliche Zahlung.
| Jahr | Restschuld Beginn | Zins | Tilgung | Rate |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 240.000 € | 9.600 € | 12.000 € | 21.600 € |
| 2 | 228.000 € | 9.120 € | 12.000 € | 21.120 € |
| 20 | 12.000 € | 480 € | 12.000 € | 12.480 € |
Festdarlehen: 200.000 € zu 3,6 % kosten konstant 600 € Zinsen pro Monat (7.200 € im Jahr). Über 15 Jahre sind das 108.000 € Zinsen – zusätzlich muss der Tilgungsersatz die 200.000 € aufbringen.
Prüfungsfallen
- „Festdarlehen“ bedeutet endfällig, nicht Festzins.
- Beim Tilgungsdarlehen sinkt die Rate, beim Annuitätendarlehen bleibt sie gleich.
- Prognosen für Versicherungen oder Fonds sind keine Garantie – Tilgungslücke möglich.
- Der Steuervorteil des Festdarlehens gilt nur bei Vermietung, nicht für Selbstnutzer.
Praxisbeispiel
Herr Wolf (58) möchte bis zum Ruhestand schuldenfrei sein und verdient aktuell gut. Ein Tilgungsdarlehen über 240.000 € mit 20 Jahren Laufzeit startet mit 21.600 € im ersten Jahr und sinkt jährlich um 480 €. Seine Tochter, Kapitalanlegerin, wählt dagegen für eine vermietete Wohnung ein Festdarlehen mit Bausparvertrag als Tilgungsersatz.
MerksatzTilgungsdarlehen: gleiche Tilgung, fallende Rate. Festdarlehen: gleiche Schuld, nur Zinsen – und ein Tilgungsersatz, der wirklich reichen muss.